Max Planck – eine Familiengeschichte

„Ich stamme mit meiner ganzen Familie aus dem Schwabenland. Mein Urgroßvater ist von Nürtingen bei Stuttgart nach Göttingen gezogen, und von da an sind seine Kinder, Enkel und Urenkel in Norddeutschland herumgezogen und haben sich da verbreitet. Die meisten von ihnen waren Theologen, Philologen, und ich bin wohl der Einzige, der aus der Art gesprungen ist und Naturwissenschaftler geworden ist.“

aus: Max Planck, Selbstdarstellung 1942

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Arbeit aus dem Projekt zum Stammbaum der Familie Planck am 150. Geburtstag von Max Planck am MPG Schorndorf.

In der Schule hatte Max Planck nie Schwierigkeiten. So ein Beleg aus einem Zeugnis aus dem Jahre 1872:

„Mit Recht der Liebling seiner Lehrer und seiner Mitschüler […] und bei aller Kindlichkeit ein sehr klarer und logischer Kopf. Verspricht etwas Rechtes.“

Mit 16 Jahren machte er sein Abitur, mit 21 Jahren war der Doktor und mit 27 Jahren Professor. Ein Jahr später im Jahre 1886 heiratete er Marie Merck. Bald danach wurden ihre Kinder Karl (1888), die Zwillinge Grete und Emma (1889) und Erwin (1893) geboren. Sie lebten ab 1905 glücklich in ihrem schönen Haus in Berlin.

Familie Planck

Um die Jahrhundertwende war für Max Planck eine Zeit schwerster Arbeit und Konzentration, gleichzeitig aber auch die Zeit des intensivsten Familienlebens. Bei ihnen im Haus fanden immer mal wieder kleinere Theateraufführungen statt und Gäste wurden zu kleinen Hauskonzerten eingeladen, bei denen die Plancks auch mal selbst mitwirkten. Die Musikerfamilie war besonders im Sommer kaum zu überhören:

„[…] keiner konnte überhören, dass aus diesen Fenstern manchmal wunderbare Musik drang und dass es der Hausherr selbst war, der als Begleiter am Flügel saß.“

Max Planck, der ein absolutes Gehör hatte, Klavier und Orgel spielen konnte, legte schon früh großen Wert auf die musische Erziehung seiner Kinder.

„Planck liebte heitere, ungezwungene Geselligkeit, und sein Heim war der Mittelpunkt einer solchen Geselligkeit… Fielen die Einladungen in das Sommersemester, so wurden anschließend im Garten Laufspiele gespielt, an denen sich Planck mit geradezu kindlichem Eifer und größter Behändigkeit beteiligte. Es gelang fast nie, nicht von ihm eingefangen zu werden. Und wie sichtlich vergnügt er war, wenn er Einen erwischt hatte.“
(Lise Meitner, 1958)

Max Planck war auch immer auf dem laufenden, was gerade bei seinem Jüngsten Erwin in der Schule anstand:

„Du musst mir aber später noch sehr ausführlich erzählen oder schreiben, wie es Dir in der Prüfung ergangen ist und was Du alles von Herrn Lehmann gefragt worden bist.“

Der Vater erzählte aber auch von sich selbst und ließ so seinen Jungen auch an seinem Leben teilhaben. So schrieb er zum Beispiel auch über Dinge, die die Weltpolitik betrafen und gab so nebenbei augenzwinkernd pädagogische Hinweise. Ein weiterer Grund für das ausgesprochen gute Verhältnis zwischen den beiden ist die Natur. Sie ist auch ein wichtiger Aspekt, da sie für beide eine große Bedeutung hat. Erwin schreibt schon als kleiner Junge Naturbeobachtungen in sein Tagebuch. Max Planck liebt die Schönheit der Natur und gibt das seinen Kindern mit auf den Weg. Wann immer er kann, macht er sich auf Spaziergänge in die Umgebung auf. In den Semesterferien geht er mit seiner Familie in die Berge, um dort zu wandern. Die Ruhe der Berge hatte eine beruhigende Wirkung auf ihn und war somit ein guter Ausgleich zu seinem sonst so stressigen Alltag.

Im Jahre 1908 wurde Marie Merck krank und war die anschließende Zeit fast nur noch ans Bett gebunden, bis sie ihrer Krankheit, vermutlich Lungenkrebs oder Tuberkulose, schließlich am 17. Oktober 1909 erlag. Wie man sich denken kann, war das ein schwerer Schlag für die ganze Familie. Besonders Erwin hatte zu Beginn Schwierigkeiten, obwohl sich Max Planck sehr um seinen Jüngsten kümmerte:

„…Wie es werden wird, ist mir noch dunkel, aber ich fühle, dass die Arbeit und die Pflichten mir auch Kräfte verleihen werden…“

Ungefähr zur selben Zeit in einem anderen Brief:

“Ich fange allmählich an, mich wieder an das regelmäßige Leben zu gewöhnen, so hart es mir fällt. Die Kinder und die Arbeit, das sind die beiden Quellen, aus denen mir Beruhigung und Tröstung zufließt. Mit der Zeit wird es schon wieder gehen.“

Mitte 1916 erfolgte der nächste herbe Schlag. Karl fiel im Krieg bei Verdun (Frankreich):

„Nie stand er meinem Herzen so nahe, nie fühlte ich soviel Liebe und Zärtlichkeit für ihn als eben jetzt, da er das Höchste geleistet hat, was ein aufrechter und tapferer Mann leisten kann.“

Max Planck war ein großer Patriot, den es nach außen mit Stolz erfüllte, dass sein Sohn im Krieg fürs Vaterland gefallen war. Aber eigentlich wollte er sich so über seinen großen Schmerz hinweg trösten.

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Genau ein Jahr später folgte der nächste schwere Schlag: Grete starb bei der Geburt ihrer Tochter, die später auch den Namen Grete bekam. Emma besuchte nach dem Tod ihrer Schwester den Witwer Ferdinand, die beiden verliebten sich, doch das Glück hielt nicht lange. Emma wurde auch schwanger von ihm, und sie traf das gleiche Schicksal. Sie gebar ihr Kind und starb auch nach der Geburt. Diese Schicksalsschläge waren für Erwin und vor allem Max Planck kaum noch zu verkraften durch den großen Schmerz über diese Verluste. Max Planck schrieb an Erwin:

“Wieder regt sich der Wunsch, dass ich in diesem Augenblick Dir beistehen möchte, damit wir den Schlag gemeinsam tragen und uns gegenseitig aneinander aufrichten … und wir wollen um so fester und zuversichtlicher vertrauen, dass auch wieder bessere Zeiten kommen müssen“.

bergwanderer planck.jpgAber über Deutschland kamen unter der Nazi-Herrschaft seit 1933 dunkle Jahre. Erwin verließ die Politik und ging in die Wirtschaft. Erwin und sein Vater Max Planck gingen miteinander, soweit es die vielen Verpflichtungen von ihnen beiden gestatteten, in die Berge. Nur dort konnten sie sich lange und ohne Störung über alles aussprechen, was ihnen auf dem Herzen lag.

Zu seinem 51. Geburtstag am 12.März 1944 schrieb Max Planck an Erwin wenige Monate vor seiner Verhaftung:

„Der Himmel hat Dich von Anfang an reich begnadet, er hat Dir die innere Harmonie und eine sonnige Heiterkeit beschert, mehr als Deinen älteren Geschwistern. Das hat auch seinen guten Grund. Denn die Zeit, in der Du empfangen wurdest, auf einer Pfingstreise 1892 nach Kopenhagen, hat Deine Mutter öfter als die glücklichste ihres Lebens bezeichnet, und dieses Glück hat sich dann auf Dich übertragen. Das Schicksal war Dir immer günstig, in kleinen wie in großen Dingen, und wenn es einmal schief zu gehen drohte, hast Du die Gefahr entschlossen und erfolgreich bemeistert.“

Erwin war im Zusammenhang mit dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 als Mitverschwörer verhaftet worden. Er hatte maßgeblich an Plänen für ein neues Deutschland nach der Nazi-Diktatur gearbeitet.

Max Planck versuchte alles, um ihn vor dem Todesurteil zu bewahren, aber die Nazis richteten ihn am 23.1.1945 in Berlin-Plötzensee hin, weil sie ihn schon 1934 mit General Schleicher zusammen umbringen wollten. Nun musste Max Planck am Ende des Zweiten Weltkrieges mit diesem schwersten Verlust fertig werden, der ihm geschehen konnte:

max_planck 1946.jpg„Denn mit jedem neu anbrechenden Morgen kommt es wieder wie ein neuer Schlag über mich, der mich lähmt und mir das klare Bewusstsein trübt, und es wird lange dauern, bis ich wieder völlig ins seelische Gleichgewicht komme. Denn er bildete einen wertvollen Teil meines eigenen Lebens. Er war mein Sonnenschein, mein Stolz, meine Hoffnung.“
(Max Planck nach der Hinrichtung seines Sohnes Erwin am 23.1.1945)

Mit bewundernswerter menschlicher Größe gelang es Max Planck weiterzumachen, und er gab sogar anderen Menschen in seinen Vorträgen Mut und neue Kraft nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges:

„Religion und Naturwissenschaft, sie schließen sich nicht aus, wie manche heutzutage glauben oder fürchten, sondern sie ergänzen und bedingen einander. Wohl den unmittelbarsten Beweis für die Verträglichkeit von Religion und Naturwissenschaft auch bei gründlich kritischer Betrachtung bildet die historische Tatsache, dass gerade die größten Naturforscher aller Zeiten – Männer wie Kepler, Newton, Leibniz – von tiefer Religiosität durchdrungen waren. Es ist der stetig fortgesetzte, nie erlahmende Kampf gegen Skeptizismus und gegen Dogmatismus, gegen Unglaube und gegen Aberglaube, den Religion und Naturwissenschaft gemeinsam führen, und das richtungsgebende Losungswort in diesem Kampf lautet von jeher und in alle Zukunft: Hin zu Gott!“
(Im Herbst 1945 sprach Max Planck in einem Vortrag über Religion und Naturwissenschaft, der vom Nordwestdeutschen Rundfunk ausgestrahlt wurde.)